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Besitz

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Die Sterblichen glauben, dass sie die privilegierten Besitzer oder Eigentümer von etwas werden können. Wenn jemand auf dem üblichen Rechtsweg Grund und Boden erwirbt, hat er den starken Wunsch, ihn einzuzäunen und alle anderen fernzuhalten. Dann folgt die allgemein akzeptierte Annahme, dass er einen bestimmten Teil der Erdoberfläche besitze und sein Privateigentum durch das Gesetz geschützt sei und verteidigt werde. Er baut ein Haus, bezieht es, nennt es sein eigen, und niemand darf sich gegen den Willen des Besitzers nähern oder es betreten, ohne als Eindringling angesehen zu werden. In unserem jetzigen Entwicklungsstadium ist man allgemein der Ansicht, dass ein Grundstück auch einen Eigentümer haben sollte; dass die Erde und alles, was sie enthält, in Abschnitte und Parzellen aufgeteilt werden könne und dass verschiedene Leute mehr oder weniger davon unter Ausschluß anderer in Besitz nehmen könnten. Dies alles gründet sich jedoch auf die Voraussetzung, dass Materie Substanz sei und der Mensch sie besitze.

Durch die trügerischen Methoden der sterblichen Annahme wird die Wahrheit scheinbar umgekehrt; Gedanken werden in Dingen ausgedrückt, und diese werden von einzelnen Menschen beansprucht, in Besitz genommen und beherrscht. Manch einer hat einen großen Grundbesitz, ein anderer einen kleinen, und sehr viele Menschen haben überhaupt keinen. Diese offensichtlich ungleiche Verteilung materieller Güter schürt Neid, Eifersucht und Zwist und treibt oftmals jemanden, dem sein brennender Wunsch versagt ist, zur Anwendung zweifelhafter Mittel, wenn nicht sogar physischer Gewalt, um sein Ziel zu erreichen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass neun Zehntel aller Kriege und Streitigkeiten in der Welt durch Übergriffe auf die sogenannten Eigentumsrechte aus­­gelöst und geführt worden sind, oder aus einem Verlangen, den materiellen Besitz oder den Herrschaftsbereich auszudehnen.

Sobald jemand einen be­stimmten Anteil an Materie besitzt – Häuser oder Grundstücke, Aktien oder Pfand­briefe –, wird er von einem Gefühl persönlicher Verantwortung für seinen Wohlstand bedrängt und von der Furcht, dass er ihm einmal wieder genommen werden könnte. Das ganze System des Vermögensrechts und der Vermögensverteilung gründet sich auf die angebliche Substantialität der Materie, eine Illusion, die eines Tages durch das Gesetz Gottes ausgetrieben werden muß, das erklärt, dass das Gemüt die einzige Substanz ist. Dieser Wandel mag nicht auf einmal herbeigeführt werden, aber durch rechtes Denken und Verhalten wird zu gegebener Zeit der wahre Begriff zutage treten, nämlich, „die Erde ist des Herrn und was darinnen ist“1. Richtig betrachtet, gehört alles in dieser Welt Gott, und durch Widerspiegelung gehört es auch dem Menschen, der das Bild und Gleichnis Gottes ist. Wenn wir in unserer Demonstration den Punkt erreicht haben, wo wir Dinge in Gedanken auflösen können, wird die Vermehrung dieser Gedanken möglich sein, so dass jeder alles seinem Schöpfer Zugehörige widerspiegeln und besitzen kann.

In einigen Gedankenbereichen herrscht dieser ideale Zustand schon vor; z.B. in der Mathematik. Angenommen, die Ziffern, die beim Rechnen benutzt werden, würden nicht als Gedanken, sondern als materielle Dinge angesehen. In solch einem Fall müsste sich jeder Mathematiker oder Buchhalter einen Vorrat an Ziffern zulegen, die vielleicht aus einem haltbaren Material wie Holz oder Eisen hergestellt wären und die er auf einem Regal aufbewahren oder in einer Schublade verschlossen halten würde. Wenn der Mathematiker diese Ziffern benutzen wollte, würde er sie herausnehmen, sie in ihrer richtigen Reihenfolge anordnen und dadurch seine Aufgaben lösen können.

Wenn sich der Vorrat des Buchhalters an Ziffern während einer Hochsaison erschöpfen sollte, müsste er mehr kaufen oder sie sich vielleicht von seinem Nachbarn ausleihen. Er würde sich vielleicht an einen Mitarbeiter wenden und sagen: „Würden Sie mir wohl heute morgen zwei oder drei Fünfen und ein paar Siebenen borgen? Sie sind mir ausgegangen.“ Sein Kollege könnte erwidern: „Es tut mir leid, aber ich habe in letzter Zeit bei meiner Arbeit so viele Fünfen und Siebenen gebraucht, dass ich sie selber alle benötige und Ihnen leider nicht damit aushelfen kann.“ Vielleicht gäbe es sogar eine Ziffernknappheit, die die ganze Bevölkerung in Mitleidenschaft ziehen würde, und dann gäbe es einen Ansturm auf die Bestände. Die Preise für Ziffern würden steigen, und wenn die Leute wirklich glaubten, dass sie sie dringend benötigten, dann würde sich solch eine scharfe Konkurrenz entwickeln, dass die Kosten für die zur Geschäftsführung erforderlichen Ziffern in gar keinem Verhältnis zu den Produktionskosten stünden und viele Leute ohne sie auskommen müssten.

Solch eine Situation ist jedoch unmöglich, da Ziffern nicht Dinge, sondern etwas Gedankliches sind und als solches überall gegenwärtig sind, ohne jegliche Begrenzung oder Einschränkung. Keine List des sterblichen Gemüts noch der Plan eines Drahtziehers können uns eine einzige Ziffer wegnehmen oder uns den sofortigen Zugang zu irgend etwas verwehren, für das wir möglicherweise Verwendung haben könnten. Bis jetzt ist noch kein Krieg erklärt worden, weil ein Land versucht hat, sich mehr als seinen Anteil am Einmaleins anzueignen, noch ist jemand für schuldig befunden worden, weil er Ziffern benutzte, die er seinem Nachbarn weggenommen hatte.

Ziffern sind keine Gegenstände, sondern etwas Gedankliches; sie sind mentale Begriffe, und als solche stehen sie jedem zur Verfügung. Früher oder später wird erkannt werden, dass diese Wahrheit nicht nur auf Ziffern zutrifft, sondern dass auch jeder so genannte materielle Gegenstand im Weltall lediglich die Nachahmung einer göttlichen Idee ist und nicht das, als was das sterbliche Gemüt ihn darstellt. Es wird einmal die Zeit kommen, wo das sterbliche Gemüt seine Annahme aufgeben wird, dass Ideen durch materielle Gegenstände dargestellt werden. Und dann werden wir nicht mehr befürchten, dass das von dem wir wissen, dass es eine Idee und nicht ein Gegenstand ist, uns verloren gehen oder beschädigt werden könnte. Wir werden dann verstehen, was Jesus meinte, als er sagte: „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen.“2

Sie mögen fragen, was dies alles mit unserer gegenwärtigen Demonstration zu tun habe. Eine ganze Menge. Christliche Wissenschafter können in größerem Maße inneren Frieden erlangen und von drückender Verantwortung frei werden, wenn sie in richtiger Weise denken und sich bemühen, die Lehren der Christlichen Wissenschaft unmittelbar in die Tat umzusetzen. Wenn jemand ein Geschäft hat, von dem er glaubt, es sei sein eigenes, er sei dessen Gründer und Inhaber und für dessen Erfolg persönlich verantwortlich, so könnte ihm diese Stellung eine große Last sein. Er mag unter einer Geschäftsflaute, einem Umsatzrückgang oder einer der sonstigen Annahmen leiden, die mit seiner jeweiligen Beschäftigung oder seinem Beruf zusammenhängen. Solange er glaubt, das Unternehmen gehöre ihm allein, wird er nie von einigen der unzähligen Annahmen frei sein, die angeblich Geschäfte ganz allgemein und seine Beschäftigung im besonderen beeinträchtigen. Um aus dieser Situation herauszukommen, muss er beginnen, zu erklären und zu wissen, dass alles Gemüt und die Idee des Gemüts ist; dass es in seinem Geschäft überhaupt nichts gibt, was begrenzt oder materiell ist. Wenn Gott der Schöpfer von allem ist und wenn alles im Weltall Ihm gehört, dann gehört dieses Geschäft, das jemand sein eigen nennt, in Wirklichkeit Gott, und der Betreffende wird nur in dem Maße der Eigentümer, wie er seine Gedanken und täglichen Transaktionen mit der Bergpredigt in Einklang bringt. Wenn er dies erkennt und sein Verständnis von dem Prinzip der Christlichen Wissenschaft auf seine Arbeit anwendet, werden seine Furcht und Unsicherheit schwinden. Er wird feststellen, dass er seine Geschäfte in der Weise führt und betreibt, wie Gott es fordert, und er wird nur in dem Maße Herr über sie sein, wie er sich der unfehlbaren Leitung des göttlichen Gemüts unterstellt.

Wenn eine Frau der Auffassung ist, dass sie die Eigentümerin eines Heimes sei und dass alles darin ihr gehöre, wenn sie glaubt, dass sie Möbel und feste Einrichtungsgegen­stände habe, die ihr persönliches Eigentum seien, ebenso wie jeder andere Haushaltsgegenstand, dann mag ihr die Verantwortung eine solche Belastung sein, dass ihr die Situation schließlich über den Kopf wächst. Wenn sie jedoch bereit ist anzuerkennen, dass Gott ihrem Haushalt vorsteht, wenn sie bereit ist, Dinge in Gedanken umzuwandeln, und das Bibelwort versteht: „Alle Dinge sind durch dasselbe [das Wort Gottes] gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist“3; wenn sie erkennen kann, dass ihre Angestellten, ihr Haus und alles was darin ist, von der göttlichen Intelligenz beherrscht und geführt wird, dann wird sie sofort das ganze Gefühl der Sorge, der Furcht und Verwirrung verlieren und feststellen, dass das göttliche Gesetz des Friedens und der Harmonie von ihrem Haushalt Besitz ergriffen hat und ihn leitet. Wenn sie sich vergegenwärtigt, dass alles im Haus dazu bestimmt ist, das Gesetz der Voll­kom­menheit zu enthüllen und zum Aus­druck zu bringen, werden für alle, die etwas mit dem Haus zu tun haben, die Angelegenheiten viel reibungsloser verlaufen, und Friede und Freude werden sich all denen mitteilen, die es betreten.

Es gibt noch einen anderen Aspekt von Besitz, der vielleicht eine der stärksten sterblichen Annahmen ist. Eltern glauben, sie seien die privilegierten Schöpfer von etwas; sie könnten sich der Schöpferkraft des göttlichen Gemüts bemächtigen und eigene Kinder haben, für deren Erziehung, Schulbildung und künftiges Wohlergehen sie voll und ganz verantwortlich seien. Wenn Eltern dieser Meinung sind, öffnen sie der Einflüsterung Tür und Tor, dass sie versagen könnten, und von allen Seiten werden sie von den Versuchungen und Prüfungen bedrängt, die angeblich mit dem Besitz von Kindern und deren Erziehung zusammenhängen. Sie müssen lernen, dass Gott der einzige Vater und die einzige Mutter ist; dass der Mensch der Sprößling Gottes ist; dass er nicht körperlich und materiell ist, sondern geistig; dass er die Weisheit, Liebe und Intelligenz des unendlichen Seins widerspiegelt und zum Ausdruck bringt. Sobald sie diese Gedankenhöhe erreichen, wird den Eltern das falsche Verantwortungsgefühl, das das sterbliche Gemüt ihnen auflädt, genommen, und sie können dann in rechter Weise darauf vertrauen, dass Gott für ihre Kinder sorgt, und wissen, dass nichts die har­monischen Ergebnisse beeinträ­ch­ti­gen kann, die mit dem göttlichen Schutz Hand in Hand gehen.

Alles gehört Gott; nichts ge­hört uns. Der Mensch ist weder ein Schöpfer noch ein Besitzer. Als Christliche Wissenschafter können wir sofort beginnen, uns dies klarzumachen, und die Resultate werden schnell zur Hand und zufrieden stellend sein. Wenn wir jedoch jeden Gedanken von persönlichem Besitz aufgeben, so bedeutet das nicht, dass wir alles, was uns lieb und teuer ist, opfern müssen oder dass uns irgend etwas tatsächlich genommen wird. Im Gegenteil, es bedeutet, dass wir durch ein erweitertes Verständnis davon, dass alles Gemüt und die Idee des Gemüts ist, allmählich all das besitzen werden, was erstrebenswert ist. Der bloße Verzicht auf etwas ist an sich keine Tugend, noch wird dadurch etwas erreicht, dass man eine falsche Auffassung von Demut an den Tag legt. Es stimmt, dass wir viel aufgeben müssen, jedoch sind es immer die alten, unbefriedigenden Annahmen, von denen wir uns trennen, und wenn diese verschwinden, werden sie durch rechte Ideen ersetzt, die uns einen so umfassenden Sinn von Freiheit, Macht und Besitz vermitteln, wie wir ihn nie zuvor gekannt haben.

Was meinte Jesus, als er sagte: „Wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, von dem wird man auch das nehmen, was er hat“4? Doch wohl folgendes: Wer die rechte Auffassung besitzt, ist wirklich der, der „hat“, und sein Besitz muss sich einfach vergrößern; während der mit den falschen Gedanken derjenige ist, der „nicht hat“, und er muss zwangsläufig sogar das verlieren, was er zu haben scheint. Was wir also tun müssen, ist, unsere Denkweise zu ändern. Jesu Ausspruch: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen“5 kann nur durch die Christliche Wissenschaft verwirklicht werden.

Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft sagte: „Mit der rechten Vorstellung vom Menschen in meinem Gemüt kann ich meine eigene Individualität, Gesundheit und Sittlichkeit und die anderer bessern.“6 Alles ist möglich durch die rechte Vor­stellung, die sich im menschlichen Bewusstsein durch­setzt und unsere falschen Annahmen vertreibt. Das einzige, was mit der menschlichen Auffassung von den Dingen geschehen kann, ist, dass sie in ebendem Verhältnis verschwin­det, wie wir die Wahrheit erfassen.

Es ist ein metaphysisches Gesetz, dass sich das Denken äußerlich kundtut. Mrs. Eddy sagt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Halte den Gedanken beständig auf das Dauernde, das Gute und das Wahre gerichtet, dann wirst du das Dauernde, das Gute und das Wahre in dem Verhältnis erleben, wie es deine Gedanken beschäftigt.“7 Daraus ist zu ersehen, dass sich in der Christlichen Wissenschaft die richtige Vorstellung ganz natürlich zum Ausdruck erweitert und den Gedanken zur Demonstration werden lässt. Wenn wir den Standpunkt erreichen, von dem aus wir sehen können, dass alle materiellen Dinge lediglich Annahmen sind und dass diese Annahmen durch das Festhalten an der rechten Vorstellung umgewandelt und verbessert werden können, dann werden wir das erleben, worauf Paulus sich bezog, als er sagte: „Kein Auge hat gesehen und kein Ohr hat gehört und in keines Menschen Herz sind gekommen die Dinge, die Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.“8

Ein anderer Gedanke, der sich hier aufdrängt, ist, dass die Sterblichen sich im Besitz eines von Gott getrennten Gemüts glauben, das sie ihr eigen nennen, und dass sie nach Belieben diesem Gemüt entsprechend denken und Entscheidungen treffen können, ungeachtet der Tatsachen des Seins. Diese Annahme führt zu einem weiteren irrigen Schluß, dass nämlich das sterbliche Gemüt uns erschaffen und uns einen physischen Körper gegeben habe, mit Augen, Ohren, Lungen, dem Magen usw., von denen wir glauben, dass sie alle materiell seien und wir für ihr Wohlbefinden die Verantwortung trügen. Wenn dieser Irrtum von uns Besitz ergreift, beansprucht das sterbliche Gemüt als nächstes, dass es uns das Sehvermögen, das Gehör usw. nehmen könne und dass unser Magen eine Störung erleiden oder krank werden könne. All dies ist die Folge davon, dass wir an einen anderen Schöpfer neben Gott glauben, an eine andere Intelligenz und Macht, der wir Gehorsam leisten. „Wisset ihr nicht“, sagt Paulus, „welchem ihr euch als Knechte ergebet zum Gehorsam, dessen Knechte seid ihr und müsset ihm gehorsam sein?“9 Das einzige Heilmittel gegen die Leiden des Fleisches besteht darin, die falschen Annahmen, die sie hervorbringen, durch rechte Vorstellung zu berichtigen. Es ist die Unfähigkeit, dies zu erkennen, was die Christlichen Wissenschafter manchmal davon abhält, die schnellen Heilungen zu vollbringen, deren sie fähig sind. In dem Lehrbuch Wissenschaft und Gesundheit sagt die Verfasserin: „Wenn wir die wesentlichen metaphysischen Punkte nicht wahrnehmen, wenn wir nicht sehen, wie das sterbliche Gemüt den Körper beeinflusst – wie es in wohltätiger oder schädlicher Weise auf Gesundheit, Moral und Glück der Sterblichen einwirkt –, werden wir in unseren Schlüssen und Methoden irregeführt. Wir werfen den mentalen Einfluß in die verkehrte Waagschale und schaden dadurch tatsächlich denen, die wir zu segnen beabsichtigen.“10

Im Denkschema des sterblichen Gemüts werden Gedanken als Materie verkörpert und dann als der Körper bezeichnet. Wenn wir verstehen, was die Christliche Wissenschaft in Bezug auf die Verkörperung von Gedanken lehrt, werden wir erkennen, dass die menschliche Vorstellung vom Körper ein mentales Produkt und nichts weiter als der sichtbare Ausdruck des Denkens ist. Um das zu heilen, was uns als ein kranker Zustand des Körpers erscheint, müssen wir somit alle Gedanken, dass der Körper materiell sei, fallenlassen und erkennen, dass er ein ausschließlich mentales Produkt ist, ein vergegen­ständ­lichter Zustand des materiellen Sinnes, dessen Berichtigung – und zwar dadurch, dass wir die falsche Annahme durch die geistigen Ideen ersetzten – dem Gesetz Gottes zufolge Gesundheit und Harmonie hervorruft.

Gott ist der einzige Schöpfer, und alles was Er erschafft, muss Ihm gleich sein. Der Mensch setzt sich nicht aus Fleisch, Blut, Knochen und Nerven zusammen; im Gegenteil, er ist die individualisierte Ansammlung rechter Vorstellungen, die zusammengesetzte Idee Gottes, die diese rechten Vorstellungen in sich schließt. „Für Gott ist Wissen Sein“11, sagt Mrs. Eddy. Wissen ist Sein; deshalb macht das, was der Mensch weiß, sein Sein aus, und das wahre Bewusstsein besteht in der Widerspiegelung jener rechten Vorstellungen, die bereits im göttlichen Gemüt vorhanden sind. Es ist wissenschaftlich unmöglich, einen falschen Gedanken in das Bewusstsein zu bringen, und es kann keine Unvollkommenheit im Gemüt geben, da alles, was im Gemüt enthalten ist, vollkommen und unverletzlich ist und niemals in irgendeiner Weise verändert oder abgewandelt werden kann. Nichts existiert außer Gott und Seiner Schöpfung, folglich gibt es vom Niedrigsten bis zum Höchsten jeweils nur eine rechte Vorstellung von etwas, denn „das göttliche Gemüt erhält alle Identitäten klar erkennbar und ewig, vom Grashalm an bis zum Stern“12, wie das Lehrbuch sagt.

In ihrem Bemühen, materiell zu sehen, erschafft die sterbliche Annahme das menschliche Auge und erklärt, es sei das Sehorgan, während in Wirklichkeit Sehen eine Eigenschaft des Gemüts ist, die von Iris, Pupille, Linse oder anderen zum Sehorganismus gehörenden Teilen völlig unabhängig ist. Als Jesus sagte: „Das Auge ist des Leibes Leuchte“13, bezog er sich nicht auf einen materiellen Begriff vom Auge, sondern auf jene mentale oder geistige Erkenntniskraft, die das göttliche Gemüt dem Menschen verleiht. Wir müssen jedoch daran denken, dass der Mensch nicht etwas Materielles, sondern etwas Mentales ist, d. h. er ist das Bild und Gleichnis des Gemüts, die Verkörperung, der Ausdruck oder die Widerspiegelung allein von Ideen. Es kann keinen Zweifel geben, dass so etwas wie vollkommene Augen – geistige Erkenntniskraft – existiert. Ebenso ist es wahr, dass jede geistige Fähigkeit, die im göttlichen Gemüt enthalten ist, dem Menschen, dem Bild oder der Widerspiegelung des Gemüts, verliehen ist, eine Kenntnis davon bewirkt die völlige Heilung eines Augenleidens, genauso wie sie auch das wiederherstellt, was man verlorene Lungensubstanz nennt. Beachten Sie, was Mrs. Eddy in Wissenschaft und Gesundheit sagt: „Die unzerstörbaren Fähigkeiten des Geistes bestehen sowohl ohne die Bedingungen der Materie wie auch ohne die falschen Annahmen einer so genannten materiellen Existenz.“14 Das einzige Auge, das es wirklich gibt, ist jene Eigenschaft der göttlichen Intelligenz, die dem so genannten mensch­lichen Auge zugrunde liegt und von der das menschliche Auge nur eine Nachahmung ist.

Dies trifft auch auf das zu, was vom sterblichen Gemüt Herz, Leber oder Lunge genannt wird, und auf alles andere, aus dem sich der sogenannte materielle Körper zusammensetzt. Das sterbliche Gemüt behauptet, dass der Mensch organische Materie sei, jedoch sind die Annahmen des sterblichen Gemüts nicht stichhaltig, und die Tatsache bleibt bestehen, dass der einzige Mensch, den es gibt oder den es je geben kann, die zusammengesetzte geistige Idee ist, von der dieser materielle Organismus eine Nachahmung ist. Da es von allem nur eine einzige rechte Vorstellung geben kann, gibt es auch nur einen einzigen richtigen Begriff von dem, was das sterbliche Gemüt als Magen bezeichnet. Er besteht nicht aus Materie; er ist nicht etwas Materielles. Er ist ein mentaler Begriff oder Gedanke, dessen Substanz im Gemüt ist. Ein materieller Begriff von irgendeinem der körperlichen Organe ist falsch und irreführend und muss schließlich zerstört werden. „Jeder Gegenstand des materiellen Denkens wird zerstört werden; die geistige Idee aber, deren Substanz im Gemüt ist, ist ewig“15, sagt Mrs. Eddy. Und an anderer Stelle fragt sie: „Aber, wirst du sagen, ist ein Stein geistig? Für den irrenden, materiellen Sinn: Nein! aber für den unfehlbaren geistigen Sinn ist er eine kleine Kundwerdung des Gemüts, ein Typus geistiger Substanz, der ‚Substanz der Dinge, die man erhoffet’.“16

Es ist an der Zeit, dass Christliche Wissenschafter aufhören, kranke Organe behandeln zu wollen, und dass sie sich der Aufgabe widmen, ihre unvollkommenen Vorbilder gegen bessere und höhere Ideale auszutauschen, was die einzig wahre Heilmethode ist. Gott ist für alle Seine Ideen das Gesetz der Gesundheit und Harmonie, und das ist nicht nur wahr, sondern das Gesetz Gottes, das die vollkommene geistige Idee regiert, ist auch das Gesetz der Vollkommenheit für die menschliche Betrachtungs­weise, und dies gilt für jedes Organ des menschlichen Körpers. Was Gott über Hand, Auge oder Fuß weiß, ist alles, was man über sie wissen kann. Er kennt sie nicht als materiell, sondern als vollkommene, harmonische und nützliche Ideen, und Er weiß, dass ihre Identität fest umrissen und ewig ist. Wenn jemand einen falschen Begriff von Hand, Auge oder Fuß hat, so liegt sein Heil allein darin, die Dinge des Sinnes gegen die Ideen der Seele einzutauschen. Diese Ideen sind vollkommen wirklich und greifbar und für alle erreichbar, die sich an das göttliche Gemüt um Führung wenden. Wenn sich jemand eine Körperverletzung zuzieht, so wird seine Annahme oder sein Begriff vom Körper davon berührt, nicht die Idee Gottes, und das Gegenmittel besteht darin, dass er schnell seine irrige Annahme vom Körper aufgibt und sich mit Gottes unkörperlicher Idee vertraut macht. „So mache dich nun mit Gott vertraut und habe Frieden“17, sagt die Bibel.

Mrs. Eddy schreibt in dem Buch Die erste Kirche Christi, Wissenschafter, und Verschiedenes: „Weder das Alte noch das Neue Testament liefert Gründe oder Beispiele für die Zerstörung des menschlichen Körpers, wohl aber für seine Wiederherstellung zu Leben und Gesundheit als wissenschaftlichen Beweis von ‚Gott mit uns’. Die Macht und das Vorrecht der Wahrheit bestehen darin, alle Krankheit zu zerstören und die Toten zu erwecken – ebendenselben Lazarus. Der geistige Leib, die unkörperliche Idee, kam mit der Himmelfahrt.“18

Wir können keinen anderen Körper haben als die eine vollkommene unkörperliche Idee. Da der Mensch die zusammengesetzte Idee Gottes ist, folgt daraus ganz natürlich, dass alles, was im Bewusstsein des Menschen enthalten ist, geistig und vollkommen sein muss, sonst ist es nicht das Bewusstsein, das Gott kennt und das der Mensch haben muss. Materie kann niemals vergeistigt werden; jedoch unsere irrige Annahme, die sich als Materie kundtut, muss berichtigt und somit vergeistigt werden. Um einen Herzfehler zu heilen, der lediglich eine falsche Annahme ist, muss man das Zeugnis des materiellen Sinnes zurückweisen und die Gegenwart der Idee Gottes geltend machen, damit der eigene falsche Begriff berichtigt wird. Es ist nicht notwendig zu wissen, welches nun die geistige Idee ist, die der menschlichen Annahme von Herz zugrunde liegt. Alles, was man wissen muss, ist, dass der eigene irrige Begriff von einem Herzen, das materiell zu sein scheint, nicht der richtige ist. Es gibt eine göttliche Idee, deren Nachahmung die menschliche Annahme von Herz ist, und diese Idee ist jetzt und hier gegenwärtig, und es gibt keine andere. Wie es im Lehrbuch heißt: „Wenn man die Sterblichen im Licht der göttlichen Wissenschaft prüft, so stellen sie mehr dar, als man auf der Oberfläche entdeckt, denn umgekehrte Gedanken und irrige Annahmen müssen Fälschungen der Wahrheit sein.“19 Wenn jemand eine ungesunde Vorstellung vom Magen hat, so besteht das einzige Heilmittel darin, die Unrichtigkeit all dessen zu erkennen, was das sterbliche Gemüt über den Magen sagt, und geltend zu machen, dass wir im Besitz der göttlichen Idee sind, die die einzige vollkommene Wirklichkeit ist.

Alle Krankheit lässt sich auf eine falsche Vorstellung von etwas zurückführen, und das einzige Heilmittel liegt darin, die rechte Vorstellung zu erlangen. Jede geistige Idee wird von einer materiellen Annahme nachgeahmt, und so können wir verstehen, was Mrs. Eddy meint, wenn sie sagt: „Die göttliche Wissenschaft, die sich über die physischen Theorien erhebt, schließt die Materie aus, löst Dinge in Gedanken auf und ersetzt die Gegenstände des materiellen Sinnes durch geistige Ideen.“20 Wenn es keine geistigen Ideen gäbe, durch die die Gegenstände des materiellen Sinnes ersetzt werden könnten, so könnten unsere ungesunden Vorstellungen niemals berichtigt und unser Körper nicht auf wissenschaftliche Weise geheilt werden. Gott ist nicht von Seinen Ideen getrennt; die geistige Idee von etwas ist immer gegenwärtig und bringt die Macht und das wirken des unendlichen Gemüts mit sich, und wenn diese geistige Idee auf die falsche Vorstellung angewendet wird, so führt dies zu einem harmonischen Ergebnis.

Wenn es stimmt, dass eine den Körper betreffende verkehrte Vorstellung sich in einem gestörten materiellen Zustand zeigt, dann muss die rechte Idee, die die falsche Vorstellung berichtigt, einen besseren körperlichen Zustand bewirken. Wir können niemals heilen, wenn wir versuchen, die Macht der Wahrheit auf einen kranken Körper anzuwenden. Es ist die Anwendung der Macht der Wahrheit auf eine Annahme von Krankheit, die die Heilung bewirkt.

Die Christliche Wissenschaft ist eine exakte Wissenschaft, und als solche wird sie keine Abweichung von ihrem Prinzip und ihren Regeln zulassen. Sie verlangt, dass der Schüler in der Lage ist, ihren Forderungen zu entsprechen, damit er ihre Richtigkeit demonstrieren kann. Jesus sagte: „[Ihr] werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“21 Deshalb ist eine Kenntnis der Wahrheit dessen, was die Christliche Wissenschaft lehrt, für ihre Demonstration unbedingt erforderlich.

Wir kämpfen alle mehr oder weniger mit der Annahme, dass der Mensch ein von seinem Schöpfer getrenntes menschliches Wesen sei und sein eigenes Gemüt und seine eigene Intelligenz besitze. Diese Annahme muss zerstört werden, und sie kann allein dadurch zerstört werden, dass wir an der rechten Vorstellung festhalten und die Gegenwart und Wirksamkeit aller Ideen Gottes behaupten. Wenn diese Ideen für uns wirklicher werden, wird das so genannte menschliche Gemüt verschwinden, und wir werden sehen, wie wir Ihm immer ähnlicher werden – uns immer mehr der unendlichen Weisheit, Wahrheit und Liebe angleichen. Dann wird das Wirklichkeit werden, wovon der Prophet schrieb: „Das Land wird voll Erkenntnis des Herrn sein, wie Wasser das Meer bedeckt.“22


  1. Psalm 24: 1↩︎

  2. Matthäus 6: 19, 20↩︎

  3. Johannes 1: 3 [n. der engl. Bibel]↩︎

  4. Markus 4: 25↩︎

  5. Matthäus 6: 33↩︎

  6. Miscellaneous Writings (Vermi­schte Schriften), S. 62

    Holding the right idea of man in my mind, I can improve my own, and other people’s individuality, health and morals.

    ↩︎

  7. Science and Health with Key to the Scriptures (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift) von Mary Baker Eddy, S. 261
    Hold thought steadfastly to the enduring, the good, and the true, and you will bring these into your experience proportionally to their occupancy of your thoughts.↩︎

  8. 1. Korinther 2: 9 [n. der engl. Bibel]↩︎

  9. Römer 6: 16↩︎

  10. Science and Health (Wissenschaft und Gesundheit), S. 397

    By not perceiving vital metaphysical points, not seeing how mortal mind affects the body, – acting beneficially or injuriously on the health, as well as on the morals and the happiness of mortals, – we are misled in our conclusions and methods. We throw the mental influence on the wrong side, thereby actually injuring those whom we mean to bless.

    ↩︎

  11. No and Yes (Nein und Ja), S. 16 For God to know, is to be.↩︎

  12. Science and Health (Wissenschaft und Gesundheit), S. 70

    The divine Mind maintains all identities, from a blade of grass to a star, as distinct and eternal.

    ↩︎

  13. Matthäus 6:22↩︎

  14. Science and Health (Wissenschaft und Gesundheit), S. 162 The indestructible faculties of Spirit exist without the false beliefs of a so-called material existence.↩︎

  15. Science and Health (Wissenschaft und Gesundheit), S. 267

    Every object in material thought will be destroyed, but the spiritual idea, whose substance is in Mind, is eternal.

    ↩︎

  16. Miscellaneous Writings (Vermischte Schriften), S. 27

    But, say you, is a stone spiritual? To erring material sense, No! but to unerring spiritual sense, it is a small manifestation of Mind, a type of spiritual substance, ‘the substance of things hoped for.’

    ↩︎

  17. Hiob 22: 21 [n. der engl. Bibel]↩︎

  18. The First Church of Christ, Scientist, and Miscellany (Die Erste Kirche Christi, Wissenschafter, und Verschiedenes), S. 218

    Neither the Old nor the New Testament furnishes reasons or examples for the destruction of the human body, but for its restoration to life and health as the scientific proof of ‘God with us.’ The power and prerogative of Truth are to destroy all disease and to raise the dead – even the self-same Lazarus. The spiritual body, the incorporeal idea, came with the ascension.

    ↩︎

  19. Science and Health (Wissenschaft und Gesundheit), S. 267

    When examined in the light of divine Science, mortals present more than is detected upon the surface, since inverted thoughts, and erroneous beliefs mist be counterfeits of Truth.

    ↩︎

  20. Science and Health (Wissenschaft und Gesundheit), S. 123

    Divine Science, rising above phy­sical theories, excludes matter, resolves things into thoughts, and replaces the objects of material sense with spiritual ideas.

    ↩︎

  21. Johannes 8:32↩︎

  22. Jesaja 11:9↩︎