Wache 6
Aus 500 Wachen von Gilbert C. Carpenter, C.S.B. und Gilbert C. Carpenter, Jr., C.S.B.
6 – Wache darüber, dass die alte theologische Lehre und Ausbildung darüber, was Sünde ist, dich nicht daran hindert, zu erkennen, dass Sünde im Grunde Ursache und nicht Wirkung ist, falsches Denken und nicht falsches Handeln. Die Hauptsünde ist die Sünde gegen den Heiligen Geist oder gegen das, was den Menschen mit seinem Schöpfer verbindet. Was die Welt Sünde nennt, ist das äußere Ergebnis dieses grundlegenden Glaubens oder Irrtums, dem Mesmerismus zu verfallen.
Was die Welt Sünde nennt, schließt den Menschen nicht so wirksam von Gott aus wie das, was die Welt Güte nennt, was größtenteils Selbstgerechtigkeit ist. Wenn ein Sterblicher merkt, dass seine Handlungen sündhaft sind, wird er mit sich selbst und der materiellen Existenz unzufrieden und sehnt sich nach Gott, während der selbstzufriedene Anhänger von Glaubensbekenntnissen und Doktrinen kaum geistigen Hunger oder Unzufriedenheit mit der Materie verspürt. Daraus schließen wir, dass Selbstgerechtigkeit die gefährlichere Denkweise ist, wenn es um geistiges Wachstum geht. Keiner isst, bevor er nicht hungrig ist. Die Haltung der selbstgerechten Schriftgelehrten und Pharisäer von heute schließt so jeglichen geistigen Hunger aus, der den sterblichen Menschen dazu bringt, sich nach dem Göttlichen auszustrecken.
Selbstgerechtigkeit kann als Sünde gegen den Heiligen Geist bezeichnet werden, denn sie ist eine Sünde gegen die geistige Natur des Menschen und weitaus schwerwiegender als die Sünden gegen die Gesellschaft, für die das sterbliche Gemüt Strafen verhängt hat. Die gefährlichste Sünde aus Gottes Sicht ist die, die den Menschen am meisten dazu verleitet, zufrieden zu sein und sich unabhängig von Gott sicher zu fühlen.