Wache 98 |

Wache 98

Aus 500 Wachen von Gilbert C. Carpenter, C.S.B. und Gilbert C. Carpenter, Jr., C.S.B.

 


98 — WACHE, dass du in deinem Streben nach Fortschritt nicht die falsche Annahme verinnerlichst, deine Aufgabe bestehe darin, diesen sterblichen, unvollkommenen Menschen zu vervollkommnen, anstatt den falschen Glauben abzulegen, dass der Mensch sterblich oder unvollkommen ist oder jemals sein kann. Ein Beispiel für diesen Irrtum ist der Schüler, der fälschlicherweise glaubt, es sei Wissenschaft, zu bekräftigen: „Ich bin wohlhabend, ich bin gesund, ich bin glücklich.“ Solche Affirmationen sind nicht besser als der Versuch, Heiligkeit auf Unheiligkeit zu pfropfen, wenn das „Ich“, das der Schüler im Sinn hat, noch immer der sterbliche Mensch ist.

Man kann nur dann zu Recht bekräftigen: „Ich bin das Gleichnis Gottes“, wenn sich seine Vorstellung vom „Ich“ über Unvollkommenheit und Fleischlichkeit erhoben hat. Andernfalls verkommt sein Bemühen zu dem, was man „Mind-Cure“ nennt, oder zum Streben nach der sogenannten guten Seite des sterblichen Sinnes, anstatt zu versuchen, jeglichen sterblichen Sinn abzulegen. Mind-Cure oder „Neues Denken“ versucht, dem Menschen ein gutes sterbliches Dasein zu verschaffen; die Wissenschaft strebt danach, dem Menschen Gutes zu tun, indem sie ihn geistig erneuert.