Tägliche Wache |

Tägliche Wache

Aus 500 Wachen von Gilbert C. Carpenter, C.S.B. und Gilbert C. Carpenter, Jr., C.S.B.

 


135 – WACHE, dass du nicht glaubst, dass dein größtes Wachstum dadurch entsteht, dass du Jahr für Jahr Krankheitsfälle behandelst, wie ein Koch, der, sobald er gelernt hat, Kekse zu backen, sie Jahr für Jahr weiterbackt. Wenn ein Schüler geistig wächst, sollte die Heilung aus einem immer höheren Verständnis heraus erfolgen. Sie sollte mehr und mehr durch den Geist und weniger und weniger durch Argumente geschehen. Sie sollte sich erweitern und über die bloße Heilung körperlicher Beschwerden hinausgehen.

Je weiter der Schüler im geistigen Verständnis voranschreitet, desto weniger vermischt sich das Menschliche mit seiner Wahrnehmung der Wahrheit; daher wird seine Arbeit weniger stereotyp, sie wird inspirierender. Er betrachtet jeden Fall, der zu ihm kommt, als ein originäres Problem, das er mit Gott angehen muss. Seine Bemühungen wachsen allmählich über das Ideal hinaus, einfach nur zu versuchen, den sterblichen Menschen im Fleisch in Einklang zu bringen. Er versucht, ihm zu helfen, ein sterbliches Menschenbild abzulegen, obwohl natürlich die Heilung körperlicher Krankheiten weiterhin das eindrucksvollste Phänomen bleiben wird, um die Sterblichen von der Kraft des Gemütes zu überzeugen.

Wenn ein Schüler Fortschritte macht, wird er darauf achten, dass ein übertriebenes Pflichtgefühl ihn nicht dazu verleitet, beunruhigten Menschen so überwältigende Anforderungen an seine Zeit und seine Gedanken zuzugestehen, dass er gedanklich erschöpft wird und dadurch jene Klarheit, Frische und Spontaneität des Denkens verliert, die so wesentlich ist. Mrs. Eddy schrieb einmal: „Jesus tat, was er für sein eigenes geistiges Wohl als das Beste ansah, ganz gleich, ob die Menge ihn bedrängte. Er ließ sie zurück und stieg auf den Berg, um sich zu erholen. Er schaute sich nicht um und sagte: ‚Sieh nur, wie viele Hilfe brauchen – heute oder heute Nacht ist kein Aufstieg für mich drin.‘ Er ließ sie zurück, ging fort und kehrte erholt zurück und half ihnen noch mehr.“

Der Schüler sollte niemals vergessen, dass er sein geistiges Vertrauen und seine Erwartung am Leben erhalten muss, denn es sind nicht die Argumente, die heilen, sondern die geistige Salbung, die sowohl beim Patienten als auch beim Praktiker Erwartung hervorruft. Es ist die Erwartung, die geistigen Elan bringt und den Weg bereitet, damit Gottes Gesetz wirken kann. Gott vollbringt die Heilung, und unsere Argumente bereiten den Patienten lediglich darauf vor, so dass Gott ihn erheben kann.